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  • Amanda Jenssen im Porträt

    Die Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren kaum ein paar Monate alt, da bescherte uns die berühmteste Band Skandinaviens einen Pop-Klassiker, dessen Titel das unbarmherzige Gesetz des Musik-Business treffender auf den Punkt bringt als jede andere zeitgenössische Komposition davor oder danach: Abbas „The Winner Takes It All“. Dreißig Jahre später erscheint mit der Schwedin Amanda Jenssen eine junge Sängerin und Songwriterin auf der europäischen Bildfläche, die das bislang als unumstößlich geltende Regelwerk des Pop mit einem Schlag völlig ad Absudrum führt. Als „ewige Zweitplatzierte“ bei Awardshows und TV-Wettbewerben gelang es der 22-jährigen in den vergangenen zwei Jahren, sich zu einem der erfolgreichsten und populärsten Stars des nordeuropäischen Königreichs zu entwickeln. Dabei glückte es der aus der südschwedischen 76.000-Seelen-Gemeinde Lund stammenden Musikerin, Generations- und Genre-übergreifend die Zuneigung und Gunst verschiedenster Menschen auf sich zu vereinen. Ob trendy Hipster, bodenständige Radiopop-Fans, audiophile Musikliebhaber oder Chart-Fanatiker: ihre Landsleute liegen der bezaubernden Künstlerin zu Füßen und in nahezu jedem gut sortierten schwedischen Haushalt findet sich mindestens einer ihrer Longplayer. Die Amanda-Mania breitete sich im 9-Millionen-Einwohner-Staat so dermaßen rasend aus, dass die Presse der Epidemie sogar einen eigenen Namen gab: „Morbus Amandaphilus Chronicum“, kurz: „Amandaism“.

    Die Erklärung über die erstaunlich breite Zielgruppe, die sich für die junge Musikerin begeistern kann, findet sich dabei keineswegs alleine im gekonnt inszenierten Musikgenre-Mix, den Amanda Jenssen so vortrefflich in ihrer Musik zu vereinen weiß. Musikfans und –Kritiker in ihrer Heimat stoßen in ihren Songs auf die Energie und die Fröhlichkeit von Cab Colloway, das Drama und die Tiefe von Edith Piaf und Nina Simone, aber auch die Traurigkeit von Nick Drake, die Verrücktheit von Tom Waits und die Harmonie der Walker Brothers. Nicht minder betörend und einnehmend ist allerdings die Art und Weise, wie die Schwedin ihre Musik präsentiert. Mal als Femme Fatale, die einem Vierziger-Jahre-Holllywood-Film entsprungen sein könnte, dann wieder barfuss auf der Bühne bei einem Open-Air-Konzert, mal temperamentvoll und offensiv, dann wieder anämisch und entrückt – die bildhübsche Anfang-Zwanzigerin, in der nicht wenige ihrer Anhänger sogar eine Außerirdische zu sehen glauben, versteht es auf Vortrefflichste, ihr Publikum stets aufs Neue zu überraschen, ihrem Stil dennoch in jeder Sekunde instinktsicher treu zu bleiben. Etwaige Fragen nach ihrer beeindruckenden Fähigkeit, neben ihrer Musik auch in visuellen Stilfragen stets auf der Höhe zu sein, beantwortet sie u.a. mit einem knappen: „I am pretty young – but I’ve got an old soul“.

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